Bayern als Messlatte für Europa

31.01.2012 in Presseberichte. Kommentare deaktiviert für Bayern als Messlatte für Europa.

Chieming (bjr). Mit einem drastischen Vergleich schilderte Dr. Thomas Goppel beim musikalischen Frühschoppen des Bayernbunds mit der Blaskapelle Chieming im Gasthaus „Oberwirt“ die derzeitige Situation in Europa. Es sei wie auf einem Ozeandampfer in schwerer See: „Allen ist zum ‚Speibn’, aber keiner kann aussteigen.“ Deshalb müsse man die Menschen begeistern, an Europa zu bauen. Bayern sei dabei eine Messlatte für Europa.

Bayern sei das älteste Teilglied der deutschen Gemeinschaft und nach Athen und Rom in Europa. Die Geschichte Bayerns sei der Maßstab, so Goppel mit Blick auf die enorme Fluktuation: „Jährlich kommen 150 000 Menschen zu uns, gleichzeitig gehen 100 000 wieder.“ Dadurch hätte das Land stets eine Zufuhr an Wissen und Erfahrungen, Risiken und Chancen. Man müsse nur aufpassen, „dass die Richtigen dableiben“.

Nach dem Krieg habe es in Bayern sechs Millionen Menschen gegeben, heute habe das Land zwölf Millionen Einwohner. „Aus eigener Kraft haben wir Bayern nicht zugenommen“, stellte Goppel fest. Rund 1,5 Millionen Menschen seien aus dem Sudetenland, Egerland und Schlesien gekommen. Sie hätten nichts dabeigehabt, „aber uns Bayern vorgemacht, dass man schneller sein muss, wenn manbei den Ersten sein will“. Weitere 1,5 Millionen seien aus den USA und dem Rest der Welt zugereist, weil sie erlebt haben, dass es sich lohnt, in Bayern zu leben. Mit den 1,5 Millionen Menschen aus dem Ostblock sei man in Bayern gegen Ideologien gefeit, „weil diese den ‚Käse’ schon einmal mitgemacht haben“. Durch weitere 1,5 Millionen „aufgeheirateter“ Preußen habe Bayern unglaublich viel an Kraft gewonnen.

In der Mitte Europas zu liegen, sei ein riesiger Vorteil für das Land, weil es rundherum Dynamik erlebe. Andererseits müsste man bei allen politischen Entscheidungen im Auge haben, sich mit der Nachbarschaft zu entwickeln. Bayern habe in seiner 1500-jährigen Geschichte von 130 Kriegen nur einen gewonnen, stehe als Verlierer heute trotzdem an der Spitze.

Das europäische Bild sei die Festlegung, dass bei Entscheidungen der Mensch das Maß aller Dinge sei. „Es gibt zwar einen bequemeren Weg im Umgang mit anderen, aber keinen menschlicheren“, betonte Goppel. Wenn jemand wisse, dass er einen Fehler mache, müsse er dies auch zugestehen. Dies sei die Messlatte für die Zukunft. Bei Bundespräsident Christian Wulff sei jedoch der Pranger wieder eingeführt worden. „Wir sind hier auf einem Weg, den es aufzufangen gilt“, so der ehemalige Staatsminister.

Einer der wesentlichen Ansätze in Bayern sei das gegliederte Schulsystem. 43 von 100 Hochschülern hätten kein Gymnasialabitur. Nicht mit Vereinheitlichung, sondern mit Vernetzung kämen wir weiter. Ziel in Europa müsse sein, uns nicht über andere zu erheben, sondern ihnen zu sagen: „Zeig’ mir deine Einmaligkeit, damit wir in den Wettbewerb eintreten können!“ Für die Zukunft Bayern sehe er viele Chancen. Wichtig sei dabei, Neues mutig anzugehen und nicht alte Ideen, die man nicht verwirklicht habe, durchzusetzen.

Manche Länder in Europa hätten zu tun, um die Messlatte Bayerns zu erreichen, stellte Chiemings Bürgermeister BennoGraf fest. Er sprach die Hoffnung aus, dass Europa in finanzieller Hinsicht Lösungen finden werde. Dies werde die Hauptaufgabe der nächsten Zeit sein. Landrat Hermann Steinmaßl wies auf die verschiedenen Geschwindigkeiten der Volkswirtschaften in Europa hin. Als Grenzland sei es für Bayern von größter Bedeutung, dass Europa nachhaltig funktioniere. „Ich bin ein überzeugter Europäer“, bekannte Steinmaßl. Durch Europa habe man heute ein Jahrhundert des Friedens, der Freiheit und der Demokratie.

Europa werde nur funktionieren, wenn der laufende Betrieb nicht weiter über Kredite finanziert werde, gab MdL Klaus Steiner zu bedenken. Der neue Weg müsse sein, nicht nur keine neuen Schulden zu machen, sondern Schulden zurückzuzahlen. Andernfalls verbaue man die Zukunft der Kinder. Nur Bayern schaffe mit seinem differenzierten Schulsystem Chancengleichheit in der Bildung. Das Projekt „Bairisch in Kindergarten und Schule“ der Bayernbund-Kreisverbände Traunstein und Rosenheim sei dabei ein Kennzeichen bayerischer Eigenständigkeit.

Quelle: CHiemgau Online, http://www.chiemgau-online.de/portal/lokales/trostberg-traunreut_Bayern-als-Messlatte-fuer-Europa-_arid,1989281.html, zuletzt aufgerufen am 01.02.2012

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